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Lucia Schnell, Michael Ferschke
Der Journalist Jürgen Elsässer provozierte vor kurzer Zeit mit folgender Polemik gegen die Linkspartei im Berliner Senat eine Debatte um das Verhältnis von Unterdrückung und der sozialen Frage: „Mit Staatsknete wird Multikulti, Gendermainstreaming und schwule Subkultur gefördert, während die Proleten auf Hartz IV gesetzt werden und sich oft auch keine Kita, kein Schwimmbad und keine warme Wohnung mehr leisten können.“
Elsässer bezweckte mit diesem Angriff auf die Politik der „Realos“ in der Linkspartei die Verteidigung einer antikapitalistischen Klassenorientierung. Allerdings erinnert seine Argumentation an die einiger maoistischer Gruppen aus den 70er Jahren. Diese argumentierten, die Unterdrückung von Frauen oder Schwulen sei ein Nebenwiderspruch und der Kampf dagegen dem Hauptwiderspruch, dem ökonomischen Klassenkampf, unterzuordnen, bzw. davon zu trennen.
Von einigen Kontrahenten Elsässers (in und außerhalb der Linkspartei) wird diese Gegenüberstellung nicht grundsätzlich hinterfragt, sondern lediglich anders herum angegangen: Linke Politik habe sich demnach nicht maßgeblich über die soziale Frage zu definieren, sondern müsse, davon unabhängig, die Fragen von Gleichberechtigung und vor allem die Verteidigung von Minderheitsrechten ins Zentrum stellen.
Eine wichtige Argumentationslinie in dieser Debatte ist, dass es in der DDR Unterdrückung, etwa von Frauen und von Ausländern, gegeben habe, obwohl keine ökonomische Ausbeutung der Arbeiterklasse stattgefunden habe. Deswegen gebe es keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Ausbeutung und Unterdrückung – und der Kampf gegen Unterdrückung sei also nicht notwendigerweise mit einer klassenkämpferischen Perspektive zu verbinden.
Die Debatte um das Verhältnis von Ausbeutung und Unterdrückung wirft die Frage nach einer adäquaten Strategie der Linken gegen die kapitalistischen Herrschaftsverhältnisse auf.
Vor diesem Hintergrund möchten wir uns im Workshop folgenden Fragen widmen:
Was finden wir in den Schriften von Marx und Engels zum Verhältnis von Ausbeutung und Unterdrückung?
Woher kommt die Theorie von den „Nebenwidersprüchen“ und was steckt dahinter?
Gab es in der DDR systematische Unterdrückung und Benachteiligung?
Wie stand es um die soziale Gerechtigkeit in der DDR?
Wie könnte eine Strategie der Linken im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung heute aussehen?
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