Marxismus für das 21. Jahrhundert

Konferenz von 20. bis 22. April 2007

Einschätzung der 2. Marxismuskonferenz

1. Zielstellung und Bilanz

Die Initiatoren hatten mit der Konferenz vier Ziele:

1. Die Konferenz sollte bundesweit, 10 Jahre nach Hannover, ein Beispiel für eine systematische und interessante Verbreitung des Marxismus als Grundlage der politischen Arbeit der antikapitalistischen Linken geben.

2. Sie verstand sich als Forum, in dem darüber beraten werden sollte, wie die Schwäche der Gegenkräfte in der Bundesrepublik überwunden werden kann.

3. Sie wollte zur Analyse des gegenwärtigen Kapitalismus beitragen, um davon ausgehend die politische Handlungsorientierung für den Kampf der arbeitenden Klasse gegen Neoliberalismus und Kapitaloffensive genauer zu bestimmen.

4. Strategisch ging es auch darum, einen weiteren Schritt zu machen, um eine vernetzte marxistische Linke zu einem realen Faktor im politischen Leben der Bundesrepublik zu machen.

Mehr oder weniger sind wir hinsichtlich alle dieser Ziele vorangekommen. Angesichts der über 700 Teilnehmer, der zumeist gut besuchten und interessanten 31 Plenar- und Einzelveranstaltungen mit etwa 80 Moderatoren und Referenten, einer solidarischen Grundstimmung auf der Konferenz und viel Aufmerksamkeit in Kreisen der marxistischen Linken (aber selbst in Diskussionsforen der CDU) hinsichtlich der Konferenz, können wir sicherlich von einem Erfolg sprechen. Die "Medien"vorbereitung war gut bis sehr gut, die Nachbereitung muss noch die notwendige Breite erreichen.

Die Debatten waren streitbar und zugleich solidarisch. Gegenüber Hannover waren das politische Profil und die Ansätze für einen Neuanfang deutlicher. Das politische Spektrum, das wir zusammenbringen wollten, haben wir in etwa zusammengebracht. Marxistische Wissenschaftler, marxistische Organisationszusammenhänge und marxistisch orientierte Zeitschriften diskutierten um Grundfragen und Zukunft der Bewegung.

Recht unbefriedigend war die geringe Teilnahme jüngerer Leute an der Konferenz. Die finanzielle Bilanz der Konferenz ist positiv und entspricht im Wesentlichen den Planungen. Nicht zu übersehen sind der Wille und der Drang, weiter zu machen.

2. Wie weiter nach der Konferenz?

Vorrangig ist zunächst, dass die Ergebnisse der Konferenz veröffentlicht werden. Im September wird die junge Welt eine Broschüre (3000 Exemplare)mit wichtigen Beiträgen der Konferenz herausgeben. Die Auswahl der Beiträge wird die junge Welt in Abstimmung mit Ekkehard Lieberam, Michael Mäde und Gerd Wiegel vornehmen. Ob noch ein Reader mit allen Beiträgen erstellt werden kann, ist zu prüfen.

Die Website der Konferenz ist auszubauen, allerdings ohne Forum, da dessen Betreuung zu aufwendig wäre. Erste Veränderungen sind vorgenommen worden und ein Rundschreiben an die per mail erreichbaren Teilnehmer ist von Michael Mäde verbreitet worden.

Überlegt wird die Durchführung von kleineren thematischen Konferenzen, die die Anliegen der Marxismuskonferenz weiter verfolgen und die Konferenz zu einer unter Linken allseits anerkannten Institution der streitbaren und solidarischen Debatte machen. Der für die Formierung der Linken entscheidende Punkt ist dabei die inhaltliche, konzeptionelle Verständigung auf der Grundlage einer eingehenden Analyse des gegenwärtigen Kapitalismus. Solche Konferenzen können von einzelnen Trägern der Marxismuskonferenz in Eigenverantwortung, aber mit Bezug zur Marxismuskonferenz durchgeführt werden. Ein entscheidendes Prinzip solcher Folgekonferenzen müsste die Wahrung und der Ausbau der erreichten Breite des Teilnehmerkreises sein, bei Schärfung des Profils derartiger Veranstaltungen.

Eine erste derartige Konferenz könnte eine Veranstaltung in Berlin am 14. Oktober 2007 zum Thema "Rätedemokratie - aktuell oder überholt? (90 Jahre Staat und Revolution)" sein. Ziel dieser Veranstaltung wäre eine Debatte zwischen unterschiedlichen Richtungen der marxistischen Staats- und Demokratietheorie, einschließlich der anarchistischen und der reformsozialistischen Richtung. Eine Konzeption für diese Veranstaltung ist bis Mitte Juli den Mitgliedern der Koordinierungsgruppe zu unterbreiten.

Eine weitere Konferenz könnte eine Tagung zum Thema Marxismus und Ökologie sein, auch unter Teilnahme nicht explizit marxistischer Kräfte um attac, Ökologische Linke und Ökosoz. Diese Konferenz sollte möglichst im Mai/Juni 2008 stattfinden.

Themen für weitere Folgekonferenzen könnten sein: Kapitalismusanalyse und Programmatik, internationale Dimensionen der Antiglobalisierungsbewegung, Antifaschismus und Antirassisimus, Migration und kulturelle Vielfalt, Sozialismus des 21. Jahrhunderts (international), Parteienfrage und außerparlamentarischer Kampf.

Einigkeit bestand unter den Teilnehmern der 2. Marxismuskonferenz darüber, dass Marxismuskonferenzen regelmäßig (alle zwei oder drei Jahre) stattfinden sollten. Es ist zu prüfen, ob und wie die nächste 3. Marxismuskonferenz unter ein Thema gestellt werden kann, das marxistische Wissenschaftler und die unterschiedlichen Veranstalter veranlasst, sich explizit auf die Analyse des gegenwärtigen Kapitalismus und auf die Ausarbeitung einer marxistischen politischen Handlungsorientierung zu konzentrieren (gegebenenfalls auf der Grundlage unterschiedlicher Papiere).

Wichtige Aufgaben im Zusammenhang mit der Vorbereitung einer 3. Marxismuskonferenz sind: die Gewinnung jüngerer Wissenschaftler für die Plenardebatten und die Diskussionen in den Workshops sowie die Auswahl solcher Themen, die attraktiv für junge Leute sind, an marxistisches Denken heranführen und diesem wieder mehr praktische Relevanz in den sozialen und politischen Bewegungen verschaffen. Angeregt wurde, eine Beratung verschiedener marxistischer Vereine und Stiftungen durchzuführen, um über die Bildung eines synergetischen Stiftungsverbandes zu sprechen.

Für die weitere Arbeit wurde in der Auswertungsberatung am 13. Juni in Berlin eine "Koordinierungsgruppe" gebildet, der neben den bisherigen Mitgliedern der Vorbereitungsgruppe der 2. Marxismuskonferenz eine Reihe weiterer Genossen angehören. Mitglieder der Koordinierungsgruppe sind bis jetzt: Michael Aggelidis, Sebastian Gerhard, Erich Hahn, Uwe-Jens Heuer, Angela Klein, Manuel Kellner, Ekkehard Lieberam, Michael Mäde, Herbert Münchow, Norman Paech, Wolfgang Richter, Arnold Schölzel, Peter Schüren, Werner Seppmann, Sascha Stanicic, Robert Steigerwald, Jochen Traut und Gerd Wiegel. Diese Koordinierungsgruppe ist im Sinne der Wahrung der angestrebten Breite der "Initiative Marxismuskonferenzen" zu erweitern. In diesem Sinne hoffen wir, dass möglichst viele Unterstützerinnen und Unterstützern sowie Mitveranstalter der 2. Marxismuskonferenz in der Koordinierungsgruppe mitarbeiten.


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